Standesamtliche Trauung

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern kann in Deutschland eine Ehe in der Regel nur von einem Standesbeamten geschlossen werden. Das gilt auch für Trauungen auf unter deutscher Flagge in internationalen Gewässern fahrenden Schiffen. Andere Trauungsformen, wie beispielsweise die seit 2009 auch vor der standesamtlichen Trauung mögliche kirchliche Trauung, haben grundsätzlich keine der Zivilehe entsprechenden rechtlichen Folgen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Trauungen, bei denen beide Eheschließende Ausländer sind, in Deutschland nach ausländischem Trauungsrecht durch einen nach diesem Recht befugten Nicht-Standesbeamten rechtsverbindlich getraut werden.


Kernstück der standesamtlichen Trauung sind von den beiden Verlobten aufeinander und auf die Ehegründung bezogene Willenserklärungen. Diese umgangssprachlich auch „Ja-Wort“ genannten Willenserklärungen, die nicht zwingend in einem Amtsgebäude abgegeben werden müssen, müssen höchstpersönlich abgegeben werden. Schriftform oder Stellvertretung sind nicht statthaft. Die Anwesenheit von Trauzeugen ist möglich, ist aber für die Gültigkeit ebenso wenig eine Voraussetzung wie das 1998 abgeschaffte Erfordernis der einwöchigen öffentlichen Bekanntgabe des Eheschließungswunsches („Aufgebot“).


Welches Standesamt zuständig ist, ergibt sich zunächst aus dem Wohnort der Verlobten. Bei verschiedenen Wohnorten haben die Eheleute in spe die Wahl. Vor dem zuständigen Standesamt kann relativ problemlos bei Wunsch nach der Anmeldung die Verlegung des Trauakts an ein anderes Standesamt beantragt werden. Theoretisch könnte sofort nach der sechs Monate lange geltenden Anmeldung geheiratet werden. In der Praxis vergehen aber zwischen Anmeldung und Trauung mindestens mehrere Tage. Neben organisatorischen Gründen spielt dabei vor allem die Prüfung der bei der Anmeldung beizubringenden Unterlagen, wie beispielsweise Personaldokumente, Einbürgerungsurkunden, Familienbücher oder Aufenthaltsgenehmigungen, eine wesentliche Rolle. Der Standesbeamte muss vor allem das Vorliegen der Ehefähigkeitsvoraussetzungen prüfen. Dazu zählen u. a. die Prüfung der Einhaltung der gesetzlichen Altersmindestgrenzen sowie das Ausschließen von Eheverboten (Doppelehe, Geschwisterehe, usw.).


Nach der amtlichen Bestätigung, dass kein Ehehindernis vorliegt, kann die Trauung vollzogen werden. An die äußere Form des Trauakts knüpft das Gesetz keine allzu großen Anforderungen, aber die Standesbeamten bemühen sich durchweg um eine würdige und feierliche, häufig auch heitere Atmosphäre. Der Standesbeamte stellt den Verlobten zunächst die Frage nach etwaigen aktuellen Veränderungen in Bezug auf die Ehefähigkeit. Bei Verneinen fragt er beide Verlobten nach ihrer Ehewilligkeit. Nach der, fast immer stattfindenden, Abgabe der „Ja-Worte“ wird das Zustandekommen der Ehe amtlich festgestellt und bescheinigt. Auf Antrag können auch Eheurkunden ausgestellt werden. Die früher gängige Neuanlage von Familienbüchern wurden 2009 abgeschafft.


Die ortsabhängigen, nicht einheitlichen Kosten für Anmeldung und Trauung halten sich im moderaten Rahmen. Üblicherweie müssen die Verlobten mit etwa 50 bis 100 Euro Verwaltungskosten rechnen.